Önologisch: So wird der Jahrgang 2018.

Für uns Weinproduzenten ist der aktuelle Jahrgang immer der beste (logisch, viel anderes haben wir im Moment nicht zu bieten). Aber mit Weinen verhält es sich wie mit Menschen – sie ausschliesslich auf Grund ihrer Anwesenheit zu beurteilen, wäre unfair. Aus den Augen aus dem Sinn, respektive aus der Flasche über den Gaumen, und vergessen ist das noble Getränk.

Den Wein allein dem Verkaufsdruck unterzuordnen und ihn dementsprechend zu beschreiben, kann den Weingenuss trüben und stellt uns vor Probleme. Das käme in etwa daher wie die Gesundheitswarnung auf den Zigarettenpackungen und sollte uns zur Zurückhaltung mahnen. Dabei empfehlen wir genau das Gegenteil: Es lohnt sich, immer ein paar Jahrgänge eines Weines im Keller zu haben. Weingenuss ist eine nachhaltige Geschichte und darf getrost wiederholt werden. Denn das nobelste aller Getränke muss immer wieder als solches bestätigt werden.

In dieser Einleitung zum Jahrgang 2018 zeigt sich die wunderbare Welt des Weines in ihrer ganzen Komplexität: Menschlichkeit, Natur, Genuss, Wirtschaftlichkeit, Qualität, Zukunftsgedanken, Unstetigkeit – dies alles und vieles mehr finden wir in einem Tropfen Wein. Wie war der 15er-Rhoneblut®? Wie präsentiert sich der 18er? Lässt sich schon etwas über den 19er sagen? Der aktuelle Jahrgang kann sich nicht ohne Einordnung in

die vorangegangenen Jahre und die Zukunftserwartung bewerten lassen. Der vielen Worte kurzer Sinn: Der 18er wird strahlend-elegant. Santé.

Zugegeben, das ist nun doch ein wenig sehr kurz beschrieben. Ein so schöner Jahrgang wie der 18er verdient ein paar Worte mehr. Die Jahre 2015 bis 2017 waren durch kleine, konzentrierte Ernten gekennzeichnet, dicht und knapp. 2018 gab’s wieder einmal eine befriedigende Menge, auch in qualitativer Hinsicht. Kein Wunder, denn das Rebjahr 2018 war ein Ausnahmejahr: Genügend Niederschlag im Winter, der die Böden gut einwässerte. Der Austrieb passierte zur richtigen Zeit, ohne Angst vor den Frostnächten, die glücklicherweise schon vorbei waren. Eine trockene Blütezeit, die Gescheine haben den Übergang zur Traube problemlos vollzogen. Ein warmer Sommer, schöne Laubwände, die eine ausgezeichnete Zuckereinlagerung in den Trauben ermöglichten. Herrlich reife und gesunde Trauben im Herbst, ideale Voraussetzungen für einen wunderschönen Wein. Und nun sind sie da, diese aussergewöhnlichen Weine aus der 18er- Ernte.

Die Rotweine sind frischfruchtig, von einer schönen Eleganz, mit gutem Trinkfluss. Es zeigen sich leichte Gewürznoten, unterschiedlich von Sorte zu Sorte. Die Weissweine im Wallis sind ein weltweiter Geheimtipp für Liebhaber exotischer Aromatik, gepaart mit Walliser Bodenständigkeit. Er zeigt an der Nase Steinfrüchte (Aprikose, Pfirsich), weisse Blüten, Frische, gut im Alkohol, ohne aufdringlich zu wirken. Auch hier variiert die Ausprägung von Traubensorte zu Traubensorte. (Amédée’s Tipp: Aphrodine® und Pinot blanc.) Unser Familienwein, der Rhoneblut®, zeigt eine schöne rotbeerige Nase, gefolgt von frischen roten Beeren (Johannisbeeren, Sauerkirschen, Erdbeeren), eine angenehme und anhaltende Viskosität im Mund.

Die Walliser Spezialitäten machen dem Begriff Spezialität alle Ehre. Es sind nichtalltägliche Weine. Ihr Genuss eilt nicht, ein wenig Lagerung verhilft ihnen zu noch mehr Charakter.

Den Amphore® blanc haben wir dezent mit Lafnetscha ergänzt. Es dauert aber sicher noch zwei Jahre bis seine 18er-Ernte in die Flasche kommt. Die Vinum-Lignum®- Weine ruhen seit der Ernte in speziell für sie gefertigten Barriques. Auch hier ist Geduld gefragt. In circa einem Jahr dürfen wir uns an diesen Köstlichkeiten erfreuen. Zum Domaine de Ravoire®: Die Trauben sind wohlbehalten und in ausgezeichneter Qualität von der Domaine de Ravoire in unsere Kellerei gelangt. Im Moment lagern die verschiedenen Traubensorten aus Ravoire noch reinsortig in ihren feinen Barriques. Die Aktionäre der Domaine de Ravoire werden Ende August wunder- schöne Basisweine für die Assemblage des Domaine de Ravoire® weiss und rot vorfinden.

Und zum Schluss noch eine Plauderei aus dem Nähkästchen: Wir haben ein K-I-B Projekt gestartet. Das steht für Kvevri-Inox-Barrique, gleiche Traubensorte, gleicher Rebberg, gleicher Keller, aber verschiedene Behältnisse. Weihnachten 2019 sollten die Weine bereit sein. Lassen Sie sich überraschen.